Veröffentlichungen    

Abzocke durch die Gewerbeauskunft-Zentrale

   

Auch unsere Kanzlei hatte ein solches Schreiben schon mehrfach in der Post. Ein Unternehmen, das sich „Gewerbeauskunft-Zentrale (GWE)“ nennt, schreibt potenzielle Gewerbetreibende unter der Überschrift „Erfassung gewerblicher Einträge“ an und suggeriert durch die Aufmachung ihres Schreibens, man solle nur rasch seine Daten in einem Gewerberegister korrigieren bzw. aktualisieren, indem man das Schreiben des Unternehmens ausfüllt und zurückfaxt. Diverse Informationen wie Name, Adresse und Telefonnummer sind bereits in das Schreiben aufgenommen. Das Ganze wirkt wie ein „amtliches“ Schreiben, jedenfalls wie ein Schreiben einer staatlichen Meldestelle, dessen Beantwortung nicht mit irgendwelchen Kosten verbunden ist.

Liest man allerdings das Kleingedruckte auf der rechten Seite, so ist diese Eintragung keineswegs kostenlos, sondern mit einer Bindungsfrist von zwei Jahren und Kosten in Höhe von ca. EUR 570,00 pro Jahr ausgesprochen teuer - allein schon deshalb, weil eine solche „Gewerbeauskunft“ kaum jemanden interessiert.

Solche Schreiben werden seit rund zwei Jahren verschickt. Das Schlimme daran ist, dass viele Unternehmen dieses Schreiben gedankenlos beantworten und auch die dann ins Haus flatternden Rechnungen ohne Weiteres bezahlen, weil diese Vorgänge im allgemeinen Geschäftstrubel schlicht untergehen.

Im Internet wird von Verbraucherschützern ausdrücklich vor den „Abzockmethoden der GWE“ gewarnt. Der Deutsche Schutzverband gegen Wirtschaftskriminalität hat im Februar 2000 vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf ein Urteil erstritten, welches zum damaligen Zeitpunkt bestätigt hat, dass die Gewerbeauskunft-Zentrale mit unlauteren Geschäftspraktiken arbeitet. Zwischenzeitlich sind die Formulare aber doch wieder in leicht abgeänderter Form im Umlauf.

Angeblich gibt es bundesweit bereits Millionen von Betroffenen. Das bestätigt auch die Verbraucherzentrale Bayern, die darauf hinweist, dass eine Unterschrift unter solch einem Schreiben mit einer Bindungsfrist von zwei Jahren noch nicht einmal wirksam widerrufen werden kann, wenn es sich tatsächlich um Gewerbetreibende handelt, denen - im Gegensatz zu einem Verbraucher - kein 14-tägiges Widerspruchsrecht zusteht.

Verbraucherschützer raten im Fall der Gewerbeauskunft-Zentrale, den Vertrag wegen arglistiger Täuschung anzufechten, sollte man diesem Unternehmen tatsächlich aufgesessen sein. Dies wird das Unternehmen zwar nicht einfach so hinnehmen und zumindest ein Inkassobüro, vielleicht sogar eine Anwaltskanzlei mit der Durchsetzung ihrer Forderung beauftragen. Die Verbraucherzentrale empfiehlt gleichwohl, solche Schreiben schlicht zu ignorieren.

Wir selber empfehlen in einem solchen Falle, sich vertrauensvoll selbst an eine Rechtsanwaltskanzlei zu wenden; dies spätestens, wenn auch noch ein gerichtlicher Mahnbescheid ins Haus flattert. Gegen den Mahnbescheid sollte unbedingt Widerspruch eingelegt werden, Frist: 14 Tage. Im Falle eines Widerspruchs stehen die Chancen gut, denn die Gerichte sind bereits sensibilisiert und nicht bereit, solche Machenschaften auch noch durch positive Urteile zu unterstützen.

 
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