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Testament nicht mehr auffindbar – Ist es damit ungültig?

   

1. Gültigkeitsdauer von Testamenten:

Sogenannte ordentliche Testamente, zu denen das öffentliche Testament, also das beim Notar zur Niederschrift errichtete, und das eigenhändig geschriebene und unterschriebene Testament gehören, haben eine unbegrenzte Gültigkeitsdauer.
Sogenannte Nottestamente bei einer Seereise, vor dem Bürgermeister oder vor drei Zeugen, wenn mit dem Tod kurzfristig gerechnet werden muss, gelten als nicht errichtet, wenn seit der Errichtung drei Monate verstrichen sind und der Erblasser noch lebt. Wer also ein Nottestament errichtet hat und wider Erwarten doch nicht kurzfristig verstirbt, muss ein ordentliches Testament errichten, wenn er sich nicht auf die gesetzliche Erbfolge verlassen will.

2. Widerruf eines Testaments:

Im Rahmen der Testierfreiheit ist es möglich, jederzeit ein Testament zu ändern, zu ergänzen, aufzuheben oder neu zu erstellen. Deshalb ist dem Erblasser auch ausdrücklich gestattet, das Testament oder Teile davon „jederzeit“ zu widerrufen.
Der Widerruf erfolgt durch die Errichtung eines neuen Testaments, in dem der Widerrufswille zum Ausdruck gebracht werden muss (sog. Widerrufstestament). Der Widerruf kann aber auch durch Vernichtung der Testamentsurkunde deutlich gemacht werden.
Ebenso steht es dem Erblasser frei, sein Testament zu verändern, wobei die strenge Form (Niederschrift beim Notar oder eigenhändig geschrieben und unterschrieben) unbedingt gewahrt werden muss.
Wird ein Testament vom Erblasser vernichtet, so besteht die gesetzliche Vermutung, dass er auch die Aufhebung des Testaments damit beabsichtigt hat.

3. Unfreiwilliger Verlust der Testamentsurkunde:

Wenn das Originaltestament ohne Willen und Zutun des Erblassers vernichtet wird, verloren geht oder sonst nicht mehr auffindbar ist, ist die Wirksamkeit des Testaments dadurch nicht infrage gestellt. Dies ist ständige Rechtssprechung, nachdem in solchen Fällen dem Erblasser die Absicht fehlt, das Testament zu widerrufen oder aufzuheben.
Für die Erben besteht in diesem Fall die Möglichkeit, mit allen zulässigen Mitteln zu beweisen, dass es ein ordnungsgemäß errichtetes Testament mit bestimmtem Wortlaut gegeben hat. Allerdings sind an den Nachweis sehr strenge Anforderungen zu stellen, da gerade die Form eines Testaments von ausschlaggebender Bedeutung für seine Wirksamkeit ist.
Denkbare Beweismittel sind z. B. Kopien, Durchschriften und Abschriften. Der Beweis kann aber auch durch Zeugen oder Sachverständige geführt werden. Diese Rechtsprechung hat das Oberlandesgericht (OLG) München mit Beschluss vom 22.04.2010 bestätigt.

4. Schwierige Beweislage:

Das OLG hat allerdings auch deutlich gemacht, dass bei einem Zeugenbeweis dieser Zeuge ein solches Testament persönlich gesehen haben muss. Ein bloßes Gespräch des Erblassers mit dem Zeugen darüber, wie ein Testament gemacht wird, lässt nicht den Schluss auf eine formgerechte Errichtung zu. Dies könnte auch nur eine allgemeine Anfrage des Erblassers oder eine Absichtserklärung gewesen sein.
In dem vom OLG zu entscheidenden Fall hatte der Erblasser unstreitig Sohn und Tochter je zu einer Hälfte einer Immobilie übertragen. Die Tochter behauptete, es habe noch ein späteres handschriftliches Testament gegeben, in dem sie als Alleinerbin eingesetzt worden sei. Der angebotene Zeuge konnte nur von einem Gespräch mit dem Erblasser über eine mögliche derartige Absicht berichten, hatte das Testament aber nie gesehen. Deshalb wurde der Antrag der Tochter auf Erlass eines entsprechenden Erbscheins zurückgewiesen.

5. Fazit:

Wer sein Testament widerrufen oder verändern will, sollte darauf achten, dass die Formerfordernisse wie bei der Errichtung eines neuen Testaments beachtet werden müssen. Zwar gilt beim Vorliegen mehrerer widersprüchlicher Testamente, dass das letztverfasste Gültigkeit hat. Was ist aber, wenn gerade dieses Testament unauffindbar ist oder von einem Erben, der mit dem Inhalt nicht einverstanden ist, unterdrückt wird? In diesem Fall wird es für den in diesem neuen Testament bedachten Erben sehr schwierig sein, seine Erbenstellung zu beweisen, auch wenn er vom Inhalt über Gespräche mit dem Erblasser möglicherweise Kenntnis hat.
Am sichersten geht ein Erblasser immer noch dann, wenn er sein Testament, - sei es beim Notar zur Niederschrift erklärt oder eigenhändig abgefasst - beim zuständigen Amtsgericht hinterlegt. In diesem Fall erfolgt automatisch im Sterbefall eine Kontrollanzeige der Gemeinde an die Nachlassabteilung des Amtsgerichts.

 
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